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10.01.2018

Künstliche Befruchtung als außergewöhnliche Belastung absetzbar

Der Fiskus fördert die Familien beim Aufziehen des Nachwuchses mit zahlreichen Mitteln. Verständlich, sind sie doch die Steuerzahler von morgen. Dass der Fiskus Paaren allerdings bereits bei einem Kinderwunsch Unterstützung leistet, der auf natürlichem Wege nicht erfüllt werden kann, ist vielen nicht bekannt.

Hohe Kosten für künstliche Befruchtung

Künstliche Befruchtung Steuererklärung |Foto: (c) maura24/pixabay.com

Ein Kind ist die Krönung einer Partnerschaft, die Erfüllung zweier sich liebender Menschen. Umso belastender ist es, wenn dieser Wunsch unerfüllt bleibt, etwa wenn die Partnerin unfruchtbar ist. Diese Belastung führt nicht selten zu einer harten Prüfung für die Partnerschaft, an der viele Beziehungen zerbrechen. Eine Möglichkeit, sich den Kinderwunsch zu erfüllen, ist eine künstliche Befruchtung. Allerdings ist diese mit hohen Kosten verbunden, welche nicht immer gestemmt werden können.

Kosten für heterologe Befruchtung als außergewöhnliche Belastung absetzbar

In diesem Fall kann ein betroffenes Paar auf die Unterstützung des Fiskus setzen, wenn es sich entschließt, ein Kind mittels künstlicher Befruchtung zu zeugen. Die Aufwendungen für eine heterologe künstliche Befruchtung können als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend gemacht werden, wenn die Partnerin auf natürlichem Wege kein Kind empfangen kann. Nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) trifft dies auch zu, wenn eine unfruchtbare Partnerin in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt und sich entschließt, ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Heterologe Befruchtung in dänischer Klinik

Zu diesem Schluss kam der BFH am 5. Oktober vergangenen Jahres. Geklagt hatte bereits im Jahr 2011 eine Frau, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebte. Ihre Unfruchtbarkeit stand ihrem Wunsch nach einem Kind im Wege, daher entschloss sie sich, diesen Wunsch mittels heterologer künstlicher Befruchtung zu erfüllen. Sie entschloss sich, diese Befruchtung in einer Klinik in Dänemark durchführen zu lassen.

Fiskus erkennt keine außergewöhnliche Belastung an

Die Kosten für die Behandlung beliefen sich auf knapp 8.500 €, woraufhin sie diese in ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend machen wollte. Das Finanzamt erkannte diese Kosten jedoch nicht an und verwies auf die Richtlinien der ärztlichen Berufsordnung. Diesen Richtlinien zufolge werden die Kosten für eine künstliche Befruchtung nicht als außergewöhnliche Belastung zugelassen. Der Gang vor das Finanzgericht (FG) endete enttäuschend für die Klägerin, das FG gab der Einschätzung des Finanzamtes Recht.

BFH hebt Urteil des FG auf

Erfolg brachte erst eine Klage der Betroffenen vor dem BFH. Dieser hob das Urteil des FG auf und entschied, der Klage vollumfänglich stattzugeben. Demnach muss der Fiskus die Aufwendungen einer unfruchtbaren Frau mit Kinderwunsch anerkennen, welche für sie durch eine künstliche Befruchtung, in Form einer In-Vitro-Fertilisation, entstehen. Diese Aufwendungen gelten als Krankheitskosten und sind als eine außergewöhnliche Belastung absetzbar. Dass die Betroffene in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt, ist dem BFH zufolge unerheblich.

Ärztliche Berufsordnungen widersprechen dem Anliegen nicht

Auch auf den Verweis des FG auf die Richtlinien der ärztlichen Berufsordnung ging der BFH in seinem Urteil ein. Demnach stünden die Maßnahmen zur Sterilitätsbehandlung im Einklang mit dieser Ordnung und sind daher als außergewöhnliche Belastung anzuerkennen. Erkennbar ist dies in den ärztlichen Berufsordnungen, die in mehreren Bundesländern gelten und welche der gewünschten Behandlung der Klägerin nicht widersprechen.

In Übereinstimmung mit der Rechtsordnung

Hinzu kommt die Umgehung der Sterilität, welche dem BFH zufolge zu einer Zwangslage führte. Die Aufwendungen für die heterologe Behandlung stimmten damit mit der Rechtsordnung des Staates überein und sind in vollem Umfang abziehbar. Daher wird eine Aufteilung der Kosten ebenfalls nicht in Betracht gezogen, so der BFH abschließend.

Foto: (c) maura24/pixabay.com

>> Der Artikel ersetzt keine Steuerberatung

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