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09.02.2018

Pendler: Die Grenzen doppelter Haushaltsführung

Der Fiskus erleichtert Pendlern das Leben, indem er die Nutzung einer Zweitwohnung anerkennt und sie auf diese Weise steuerlich entlastet. Dies gilt allerdings nur, wenn die Strecke zum Arbeitsplatz von der Hauptwohnung aus in nicht zumutbarer Art und Weise bewältigt werden kann. Allerdings streiten sich die Geister, was zumutbar ist.

Pendler Steuern | Foto: (c) pexels/pixabay.com


Steuerliche Begünstigung einer zweiten Unterkunft

Tägliches Pendeln ist für die meisten Arbeitnehmer ein Ärgernis, gehört allerdings zum Leben dazu. Fahrzeiten von bis zu einer Stunde oder mehr zum Beschäftigungsort sind dabei keine Seltenheit. Zahlreiche Pendler mieten daher eine Zweitwohnung, die näher am Arbeitsplatz liegt, um sich an den Arbeitstagen zu entlasten. Dies honoriert der Fiskus, indem er die Anmietung einer Zweitwohnung durch eine doppelte Haushaltsführung steuerlich begünstigt. Doch diese Regelung hat auch Grenzen.

Zweitwohnung darf nicht am Ort der Hauptwohnung liegen

So wird die doppelte Haushaltsführung für eine Zweitwohnung nicht anerkannt, wenn sich die Hauptwohnung eines Arbeitnehmers am gleichen Ort befindet wie der täglich zu erreichende Arbeitsplatz und die Bewältigung des Arbeitsweges zumutbar ist. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat dabei sehr klare Vorstellungen, was als zumutbar zu erachten ist, auch wenn Arbeitnehmer den Ansichten gern widersprechen würden.

Anerkennung der doppelten Haushaltsführung

So liegt eine doppelte Haushaltsführung erst dann vor, wenn der Arbeitnehmer in einem anderen Ort beschäftigt ist als an seinem Hauptwohnort. Liegen Haupt- und Nebenwohnung im selben Beschäftigungsort, wird keine doppelte Haushaltsführung anerkannt, so die Definition im §9 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Dies kann vor allem in Metropolen zu stressigen Anfahrten zur Arbeit führen, wenn sich die Arbeitsstätte am anderen Ende der Stadt befindet. Liegen kleinere Ortschaften nah beieinander, kann dies hingegen eine deutliche Erleichterung bedeuten.

Fahrzeit von etwa einer Stunde

Der BFH legt den Begriff des Beschäftigungsortes hingegen weiter aus als das EStG. Demnach gilt als Beschäftigungsort nicht nur die festgelegte politische Gemeinde, an welcher sich der Arbeitsplatz befindet. Auch die weitere Umgebung wird darunter gezählt. Demnach wird noch eine Wohnung zum Wohnen am Ort der Beschäftigung gezählt, wenn die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz eine Fahrt zu diesem mit dem Pkw in etwa einer Stunde ermöglicht, inklusive Zuschläge für Staus. Bei der Fahrt mit dem ÖPNV sind Fahrzeiten von bis zu einer Stunde und 11 Minuten zumutbar, so der BFH.

Aufwendungen keine Werbungskosten

In diesem Falle wird die doppelte Haushaltsführung abgelehnt. Auch der Abzug der Aufwendungen für die Zweitwohnung als Werbungskosten nach §9 EStG werden nicht anerkannt, da die Kosten für die Unterkunft zugleich dem Wohnen, damit also auch der Privatsphäre dienen. Diese Kosten für die Lebensführung sind dem BFH zufolge nicht als abziehbare Aufwendungen der Lebensführung anzuerkennen. Aus Gründen der Vereinfachung hat der BFH die Rechtsprechung allerdings im Bereich der Fahrzeit in einem Schreiben von 2014 aufgrund von Einzelfallumständen relativiert.

Wegstrecke als Grundlage

Statt der Fahrzeit wird nun die Wegstrecke als Bemessungsgrundlage herangezogen, um zu entscheiden, ob eine doppelte Haushaltsführung für die Zweitwohnung anerkannt wird oder nicht. Demnach wird eine Unterkunft noch als Zweitwohnung anerkannt, wenn der Weg von dieser zum Arbeitsplatz weniger als die Hälfte der Strecke von der Hauptwohnung zur Beschäftigungsstätte beträgt. Dies soll das tägliche Pendeln vor allem in Regionen erleichtern, in denen etwa das Verkehrsnetz nur unzureichend ausgebaut ist und der Weg zur Arbeit daher aufgrund von unvorhersehbaren Verzögerungen unzumutbar ist. Weitere Regelungen von der Ein-Stunden-Regel sind denkbar, wenn der Arbeitnehmer beispielsweise aufgrund von Bereitschaftsdiensten kurzfristig am Arbeitsplatz erscheinen muss.

Foto: (c) pexels/pixabay.com

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