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09.11.2017

Pokerspieler und der umsatzsteuerpflichtige Leistungsaustausch

Der Fiskus wird auf die Einnahmen aus Online-Glücksspielen aufmerksam. Vor allem hohe Gewinne von Vielspielern können schnell als gewerblich eingestuft werden. Dass dies nicht in allen Fällen möglich ist, zeigt ein aktuelles Urteil des BFH.

Online Gewinne Steuern | Foto: (c) drong/fotolia.com


Enorme Gewinne locken an virtuelle Spieltische

Das Glücksspiel gehört zu den ältesten Gewerben der Welt, doch für viele Menschen ist es einfach nur Zeit- und vor allem Geldverschwendung, mit der sie nichts zu tun haben wollen. Allerdings haben einige Spieler ihr Hobby zum Beruf gemacht und können mit der richtigen Strategie durchaus enorme Gewinne einstreichen, mit denen sie sich ein luxuriöses Leben finanzieren können. Die jährliche Gewinnspanne übersteigt vor allem im Bereich des Online-Poker bei einigen professionellen Spielern sogar das Jahresgehalt vieler Berufsgruppen. Das Angebot der Online-Casinos ist in den vergangenen Jahren enorm angewachsen und zu einem millionenschweren Markt geworden, der zunehmend in das Visier des Fiskus gerät.

Einstufung als Gewerbe nach Außenprüfung

Vor allem die teils hohen Gewinne der Spieler rücken mehr und mehr in den Fokus der Steuerbehörden. Allerdings sind diesbezüglich noch viele Fragen offen, wie ein aktueller Fall zeigt, in welchem das Finanzamt (FA) in einer Außenprüfung auf die Umsätze eines Pokerspielers aufmerksam wurde. Der Spieler nahm in den Jahren 2006 und 2007 an Pokerturnieren und Veranstaltungen teil und erzielte dabei Umsätze in Höhe von 26.000 € und 61.000 €. Angesichts dieser Umsätze stufte das FA den Spieler als Unternehmer ein und setzte eine Umsatzsteuer fest

Finanzgericht stützt Ansicht des FA

Der nun auf diese Weise zum Unternehmer erklärte Pokerspieler nahm diese Entscheidung nicht an und klagte dagegen vor dem zuständigen Finanzgericht (FG). Das FG unterstützte allerdings die Haltung des FA und wies die Klage ab. Der Grund sei, dass der Spieler mit der Absicht der Erzielung von Einnahmen tätig gewesen sei und damit als Unternehmer eingestuft werden müsse. Der Bundesfinanzhof (BFH) hingegen widersprach nun dem Urteil des FG und stellte sich auf die Seite des Betroffenen.

Kein Rechtsverhältnis vorhanden

Der BFH entschied, dass keine unternehmerische Tätigkeit vorliege, da es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Teilnahme an den Turnieren und den erhaltenen Zahlungen bestehend aus den Gewinnen und Preisgeldern gäbe. Eine solche Tätigkeit wäre erst gegeben, wenn ein Zusammenhang zwischen der Leistung und der empfangenen Gegenleistung vorliege. Zudem müsse ein Rechtsverhältnis zwischen dem Leistungsempfänger und dem Leistenden vorhanden sein, in welchem die gegenseitigen Leistungen vorgenommen werden. Dieser Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) schloss sich der BFH in seiner Entscheidung an.

Ungewissheit eines Gewinns hebt Zusammenhang auf

Darüber hinaus sei allein die Teilnahme an einem Wettbewerb ohne die Zahlung eines Antrittsgeldes keine gegen Entgelt erbrachte Dienstleistung, so der BFH weiter. Ein Gewinn werde zudem ausschließlich bei erfolgter Platzierung im Wettbewerb ausgezahlt, nicht bereits bei der bloßen Teilnahme. Die daraus resultierende Ungewissheit eines möglichen Gewinns hebe den unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Zahlung eines Gewinns und der Dienstleistung auf.

Gewinne aus Pokerspielen unter Umständen doch gewerbliche Einkünnfte

Obwohl sich der BFH bei der Begründung seines Urteils auf die Ansicht des EuGH berief, ist das Urteil allerdings nicht für ähnlich gelagerte Fälle richtungsweisend, da in diesem Falle eine nationale Rechtsprechung vorliegt, welche die Unionsrechtsprechung zur Grundlage hat. Darüber hinaus können die Gewinne aus Pokerspielen durchaus als Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb gelten und der Gewerbesteuer und der Einkommenssteuer unterliegen, wie ältere Urteile zeigen.

Foto: (c) drong/fotolia.com
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