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Einkommensteuer: Außergewöhnliche Belastungen absetzen Teil I



Private Ausgaben sind im Normfall nicht eine Angelegenheit für das Finanzamt. Doch gibt es bei den so genannten "Außergewöhnlichen Belastungen" Ausnahmen.

Ob Unterhaltsleistungen an Bedürftige, Pflege- und Krankheitskosten, oder Außergewöhnliche Belastungen sind bei der Einkommenssteuer absetzbar | (c)fotoart-wallraf / FotoliaBestattungskosten, der Fiskus anerkennt diese über dem Rahmen liegenden Kosten, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen und individuellen Lebens- und Finanzumständen. In unserer kleinen Reihe geben wir in Teil I bis Teil IV alle Antworten auf diese Themen und hilfreiche Tipps im Umgang mit den Finanzämtern.

Viele Bundesbürger kümmern sich um ihre Angehörigen, da diese pflegebedürftig sind. Oder ein Todesfall in der Familie zieht Geldausgaben nach sich. Auch lang anhaltende Krankheiten oder eine eigene Behinderung erschweren nicht nur das Leben, sie belasten teils in erheblichem Maße die Haushaltskasse.

Was sind auergewhnliche Belastungen

Wie aber ist definiert sich diese Außergewöhnliche Belastung im Steuerrecht und was bedeutet im engeren Sinne "außergewöhnlich"?

Die genaue Definition findet sich in §33 des Einkommensteuergesetzes, EStG und §33 a, sowie §33b. Demzufolge müssen die Kosten, die man aus seinen Einnahmen bestreitet so genannt "zwangsweise" höher sein, als bei der überwiegenden Zahl von Steuerpflichtigen, die über dieselben Voraussetzungen hinsichtlich ihres Einkommens, ihres Vermögens und des Familienstandes verfügen.

Der Gesetzgeber geht grundsätzlich davon aus, dass nur die Ausgaben für einen selbst und die nahen Angehörigen "zwangsweise" sind. Folgt man jedoch einer "sittlichen Pflicht" und trägt nach einem besonderen Ereignis die Kosten für Nicht-Angehörige, so können diese Ausgaben nur in besonderen Fällen steuerlich berücksichtigt werden.

Was bedeutet Zumutbarkeit von Belastungen

Auch hier geht der Gesetzgeber davon aus, dass jeder Haushalt eine zumutbare Grenze besitzt, in deren Spielraum finanzielle Belastungen nicht bercksichtigt werden. Um dies kalkulatorisch berechnen zu knnen, werden unter Bercksichtigung von Familienstand und Anzahl von eignen Kindern die individuelle Belastungsgrenze prozentual errechnet. Jedoch knnen finanzielle Forderungen diese Grenze der Zumutbarkeit berschreiten.

Mit anderen Worten: Ein bestimmter Betrag ist individuell als Belastung zumutbar. Darber hinaus gehende Kosten werden steuerlich als auergewhnliche Belastung bercksichtigt.

Ein Beispiel:

Ein Ehepaar mit einem Einkommen von 50.000 Euro und einem Kind wird eine Belastungsgrenze von drei Prozent ihres Jahreseinkommens zugemutet, demzufolge 1.500 Euro, die der Gesetzgeber als zumutbar empfindet. Wenn jedoch auergewhnliche Kosten in Hhe von 2.500 Euro das Familienbudget in einem Jahr belasten, knnen 1.000 Euro steuerlich bercksichtigt werden.

Bei Personen ohne Kinder und mit dem gleichen Einkommen gelten sechs Prozent, mithin in dieser Einkommensklasse 3.000 Euro als zumutbar. Demzufolge wrde bei den gleichen Kosten keine steuerliche Betrachtung in Frage kommen.

Auch an diesem Beispiel zeigt sich, dass der Gesetzgeber dem Aufziehen und Begleiten von Kindern in positiver Hinsicht Rechnung trgt, wobei nur Kinder bercksichtigt werden, fr die man einen Kinderfreibetrag oder Kindergeld erhlt.
Wie hoch die individuelle Belastungsgrenze ist, oder anders gesagt, was der Gesetzgeber dem Steuerpflichtigen finanziell an auergewhnlichen Belastungen zumutet erfhrt man beim zustndigen Finanzamt oder der Oberfinanzdirektion.

Ist es möglich die Belastungsgrenze bewusst zu überschreiten?

Ganz klar: Ja. Generell wird stets ein Jahr betrachtet, in dem die Kosten anfallen mssen. Wenn man also wei, dass die nchste Rechnung vom Zahnarzt im Januar im Briefkasten liegt, so sollte man darum bitten, dass diese im Dezember gestellt und auch bezahlt wird. Letztlich geht der Gesetzgeber davon aus, wann man tatschlich diese Kosten bestreiten musste, eine Rechnungslegung reicht hier nicht aus.

Wie beantrage ich außergewöhnliche Belastungen?

Die Beantragung erfolgt nicht gesondert, sondern im Zuge der Einkommensteuererklrung. Somit ist die Steuererklrung auch der Antrag, in der man die gesamten monetren Belastungen des zu betrachtenden Jahres eintrgt. Dir Belastungsgrenze wird automatisch vom Finanzamt prozentual errechnet und der darber liegende Betrag vermindert das Jahreseinkommen.

Doch welche Kosten werden bercksichtigt? Und gibt es Freibetrge oder Pauschalbetrge? Welche Kosten werden bei einer Behinderung bercksichtigt und ist auch eine alternative, medizinische Behandlung absetzbar? Antworten auf diese Fragen in Teil II unserer Reihe "Einkommensteuer: Auergewhnliche Belastungen absetzen".

Hinweis: Der Artikel stellt keine rechtliche Beratung dar und ersetzt diese auch nicht.
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